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Niedertemperaturtechnik

Bei der Niedertemperaturtechnik oder einer Niedertemperaturheizung geht es um Wärmeerzeuger, die ihre Vorlauftemperatur variabel verändern. Sie arbeiten bedarfsgerecht, können den sogenannten Brennwerteffekt aber noch nicht voll nutzen. Aus diesem Grund verbrauchen die Geräte mehr Energie als nötig und sind heute nicht mehr Stand der Technik.

Niedertemperaturtechnik als Nachfolger alter Heizgeräte

Bis zu den 1980er Jahren gab es in Deutschland überwiegend Konstanttemperaturkessel. Die Heizgeräte waren so ausgelegt, dass ein Thermostat das Kesselwasser konstant auf Temperaturen von 70 bis 90 Grad Celsius hielt. Das war nötig, da die Bestandteile der Wärmeerzeuger besonders korrosionsanfällig waren. Die hohen Temperaturen sollten verhindern, dass Wasserdampf aus den Abgasen kondensiert und zu Schäden an der Technik führt. Konstanttemperaturkessel arbeiteten dabei mit einem sehr niedrigen Wirkungsgrad . Denn sie verloren viel Wärme über ihre Hülle, wie auch über die entstehenden Abgase. Die Niedertemperaturtechnik sollte diese Nachteile ausgleichen. Sie kommt seither zum Einsatz und hält dem sauren Kondensat stand. Der Brenner einer Niedertemperaturheizung kann seine Leistung variabel an den Bedarf im Haus anpassen. Die Anlage verliert weniger Wärme und arbeitetet effizienter. Das heißt: Sie benötigt weniger Gas oder Öl, um die gleiche Wärmemenge bereitzustellen. Ein positiver Nebeneffekt ist die bessere Umweltverträglichkeit. Denn durch den geringeren Brennstoffverbrauch sinken auch die Schadstoffemissionen der Niedertemperaturtechnik.

Niedertemperaturheizungen heute nicht mehr effizient

Heute entspricht aber auch das nicht mehr dem Stand der Technik. Denn bezogen auf den Brennwert erreicht die Niedertemperaturtechnik einen Wirkungsgrad von 84 bis 88 Prozent. Mit dem Ziel, den Verbrauch fossiler Rohstoffe zu senken und die Umweltverträglichkeit der Heizgeräte zu steigern, entwickelten Hersteller die Technik daher fortwährend weiter. Inzwischen wurden Niedertemperaturheizungen von den sparsameren Brennwertheizungen abgelöst. Diese kühlen die Abgase mit dem Heizungswasser, um einen großen Teil des enthaltenen Wasserdampfes kondensieren zu lassen. Dieser Vorgang setzt latente Wärme frei, die einen höheren Wirkungsgrad und sinkende Verbräuche ermöglicht.

Die Geräte erreichen Wirkungsgrade von bis etwa 96 Prozent und nutzen Erdgas sowie Heizöl nahezu verlustfrei aus. Tauschst du eine alte Niedertemperaturheizung durch ein neues Brennwertgerät, sorgt allein die effizientere Technik für eine Heizkostenersparnis von 10 Prozent oder mehr. Da die Konstant- und Niedertemperaturtechnik die Umwelt mehr belastet als nötig, fordern viele ihren Austausch. So enthält auch das aktuell gültige Gebäudeenergiegesetz (GEG) eine Austauschpflicht für alte Kessel. Diese betrifft Heizgeräte, die bereits seit mehr als 30 Jahren im Betrieb sind. Niedertemperatur- und Brennwertheizungen sind von der sogenannten Nachrüstpflicht jedoch ausgenommen.

EU verbietet die Herstellung der Niedertemperaturtechnik

Mehrfamilienhaus

Die EU geht hier einen härteren Weg. Denn sie verbot die Produktion der Niedertemperaturheizungen bereits im Jahr 2015. Eine Ausnahme betrifft Gasheizungen mit einer Mindestraumheizungs-Energieeffizienz von 86 Prozent. Genau wie raumluftabhängige Gasetagenheizungen für den Einsatz in Mehrfamilienhäusern, dürfen diese auch heute noch hergestellt werden. Der Grund: Sind Mehrfamilienhäuser mit einzelnen Etagenheizungen ausgestattet, wirkt sich der Austausch einzelner Geräte in der Regel auf alle Haushalte am gleichen Schornstein aus.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass die Nutzung und der Handel mit Geräten, die bereits vor 2015 installiert wurden, auch heute noch erlaubt ist. Da diese in aller Regel höhere Heizkosten als eine neue Brennwertheizung verursachen, lohnt es sich meist, die ohnehin geringen Mehrkosten zu zahlen.

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