Ratgeber

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Den Wärmebedarf berechnen

Nutzen und Ablauf
Wer eine neue Heizung installiert, sollte diese so dimensionieren, dass sie alle Räume im Haus auch bei sehr tiefen Außentemperaturen auf wohlige Temperaturen bringt. Möglich ist das, indem Experten den Wärmebedarf berechnen. Dabei analysieren sie die Wärmeverluste eines Gebäudes und ermitteln die Leistung, die ein neues Heizgerät zur Verfügung stellen muss.

Heizlast oder Wärmebedarf berechnen: Der Unterschied

Waermebedarf berechnen

Wer vor einigen Jahren den Wärmebedarf berechnen wollte, hielt sich an die Anforderungen der DIN 4701. Anfang der 2000er Jahre wurde diese jedoch durch die europäische DIN EN 12831 abgelöst. Seitdem sprechen Experten von der Heizlastberechnung, wenn sie den Wärmebedarf berechnen möchten.

Die Wärmebedarfsberechnung ist im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) auch nach DIN 4108-6 möglich. Dabei geht es jedoch um die Berechnung des Jahresheizwärmebedarfs. Also die Energiemenge, die eine Heizungsanlage im Jahr verbraucht. Während die Heizlast eine Leistung in Kilowatt hervorbringt, ist das Ergebnis der Wärmebedarfsberechnung eine Energiemenge in Kilowattstunden. In den folgenden Abschnitten beschreiben wir den Nutzen und die Abläufe der Heizlastberechnung.

Nutzen der Heizlastberechnung

Soll ein Heizgerät effizient und sparsam arbeiten, muss seine Leistung zum Haus passen. Wählen Experten eine zu kleine Heizleistung, bleibt dein Haus im Winter kalt. Ist der Kessel zu groß, schickt er zu viel Wärme in dein Gebäude. Die Wärmeerzeuger takten (gehen häufig an und aus) und verbrauchen mehr Energie. Indem Planer und Handwerker den Wärmebedarf berechnen, bestimmen sie die optimale Größe einer Heizungsanlage. Neben der Auslegung von Wärmeerzeugern ist diese auch Grundlage für die Planung von Heizkörpern, Flächenheizungen und Heizungsrohren.

Viele Faktoren beeinflussen den Wärmebedarf eines Gebäudes

Wärmebedarf

Wer den Wärmebedarf berechnen möchte, muss viele Faktoren berücksichtigen. Grundsätzlich geht es dabei um den Transmissionswärmeverlust, den Lüftungswärmeverlust und die benötigte Zusatzaufheizleistung.

  • Der Transmissionswärmeverlust beschreibt, wie viel Heizwärme über Fassaden, Fenster, Türen, Böden oder Dächer verloren geht.
  • Der Lüftungswärmeverlust gibt an, wie viel Heizwärme über die Lüftung oder die Undichtigkeiten in der Gebäudehülle verloren geht.
  • Mit der Zusatz-Aufheizleitung lassen sich Reserven berücksichtigen. Diese sind nötig, um ein Haus nach Heizpausen schnell auf wohlige Temperaturen zu bringen.

Das Ergebnis einer Heizlastberechnung wird von der Größe, der Geometrie sowie der Lage eines Gebäudes beeinflusst. Weiterhin wirken sich auch die Wärmespeicherfähigkeit des Baukörpers, die benötigten Luftwechselraten, die Raumtemperaturen und die energetische Qualität der Bauteile auf das Ergebnis aus.

Schritt-für-Schritt den Wärmebedarf berechnen

Die Heizlastberechnung erfolgt schrittweise. Dabei können Experten den Wärmebedarf raum- oder gebäudeweise berechnen. Während Ersteres der Auslegung des Wärmeerzeugers dient, ist die raumweise Berechnung für die Bemessung von Heizkörpern und Heizungsrohren wichtig. Die folgende Übersicht zeigt den prinzipiellen Ablauf der raumweisen Berechnung:

  • Zusammenstellen der Gebäudeinformationen (Bauart, Geometrie, Lage, Luftdichtheit, Außen- und Innentemperaturen, Grundwassertiefe, Heizpausen)
  • Ermitteln der wichtigsten Raumdaten (Geometrien, Einfluss des Erdreichs, Art der Lüftung)
  • Zusammenstellen aller Bauteile, die an Außenluft, Erdreich oder unbeheizte Räume grenzen (Angabe von Flächen, Korrekturfaktoren, U-Werten, Zuschlägen für Wärmebrücken)
  • Berechnen der Transmissionswärmeverluste (Wärmeverluste über die Hüllflächen)

  • Berechnen der Lüftungswärmeverluste (durch Lüftungsanlage, Mindestluftwechsel oder natürlichen Luftaustausch über Undichtigkeiten)
  • Berücksichtigen der Zusatz-Aufheizleitung (durch Länge der Heizpausen und Aufheizzeiten)
  • Ermitteln der Raumheizlast (Addition von Transmissionswärmeverlusten, Lüftungswärmeverlusten und der Zusatz-Aufheizleitung)
  • Gebäude-Wärmebedarf berechnen (Summe alle Raumheizlasten ohne Wärmeverluste an Innenräume mit geringeren Temperaturen)