Ratgeber

Gasanbieterwechsel

Wie du richtig sparen kannst

Wusstest du, dass du beim Wechsel deines Gasanbieters häufig mehrere hundert Euro im Jahr sparen kannst? Wie du den optimalen Gasanbieter findest und ob sich ein Gasanbieterwechsel für dich lohnt, erklären wir dir hier.

Den durchschnittlichen Jahresverbrauch als Ausgangsbasis ermitteln

Zuallererst solltest du deinen durchschnittlichen Jahresverbrauch ermitteln. Idealerweise liegen dir dazu deine Verbrauchsabrechnungen der letzten Jahre vor. Dann kannst du diese für den Gasanbietervergleich heranziehen. Hier solltest du am besten den Durschnitt der letzten Jahre bilden, um besonders kalte oder warme Winter oder längere Abwesenheiten zu nivellieren.

Liegen dir die Verbrauchsdaten nicht vor, zum Beispiel, weil du erst frisch umgezogen bist, dann kannst du noch weitere Möglichkeiten heranziehen.

Handelt es sich um einen Bedarfs- oder Verbrauchsausweis?

Bitte beachte auch, dass es zwei verschiedene Arten von Energieausweis gibt: den Bedarfs- und den Verbrauchsausweis. Diese unterscheiden sich im Berechnungsverfahren und damit dann oft auch in der Effizienzklasse. Anhand von Untersuchungen konnte ermittelt werden, dass der Endenergiekennwert eines Verbrauchsausweises für ein Gebäude durchschnittlich rund 25 Prozent unter dem eines Bedarfsausweises liegt. Darauf solltest du also auf jeden Fall achten.

Bedarfsausweis (berechneter Energiebedarf des Gebäudes):

Im Bedarfsausweis wird rein rechnerisch auf Basis bestimmter Parameter wie Baujahr, Gebäudetyp, den technischen Gebäue- und Heizungsdaten mit standardisierten Rahmenbedingungen zu Nutzerverhalten, Raumtemperatur, usw. die Effizienzklasse bestimmt. Hier ist die Aussagekraft stark abhängig von der Qualität der gelieferten Daten. Das Nutzerverhalten hat dagegen keinen Einfluss.

Verbrauchsausweis (erfasster Energiebedarf des Gebäudes):

Für den Verbrauchsausweis werden ebenfalls bestimmte Gebäudedaten und zusätzlich die Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre herangezogen. Dadurch wird die Ermittlung wesentlich einfacher, allerdings kann das momentane Verbrauchsverhalten der Bewohner den Wert verfälschen.

Verbrauch anhand eines Monatsverbrauchs ermitteln

Anhand eines durchschnittlichen Monatsverbrauchs kannst du ebenfalls deinen durchschnittlichen Jahresverbrauch ermitteln.

In der Tabelle unten findest du eine Übersicht, wie groß der Anteil der durchschnittlichen Heizkosten ist, der auf den jeweiligen Monat entfällt. Hast du also von deinem Gaszähler die Werte für einen Monat ermittelt, kannst du mit dieser Tabelle deinen Jahresverbrauch ermitteln.

In den Sommermonaten reduziert sich der Gasverbrauch auf den Warmwasserverbrauch, welcher sich dadurch ebenfalls leicht ermitteln lässt. Der Jahresanteil für Warmwasser liegt im Durschnitt bei ca. 20%.

Monat
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
Juli
August
September
Oktober
November
Dezember
Durchschnittlicher Verbrauch in %
16.10 %
13.00 %
12.50 %
8.10 %
3.50 %
2.20 %
1.70 %
1.60 %
5.20 %
8.40 %
12.20 %
15.50 %

Quelle: https://www.musterhaushalt.de/durchschnitt/gasverbrauch/

Schätzdaten heranziehen

Liegt dir weder der Energieausweis noch ein Monatsverbrauch vor, kannst du den Verbrauch lediglich abschätzen.

Das funktioniert nur sehr grob, da die Verbrauchsdaten von mehreren Kriterien abhängen:

  • Größe der Wohnfläche sowie Raumhöhe
  • Anzahl der Personen im Haushalt
  • Gebäudezustand (z. B. Wärmedämmung + Zustand der Fenster)
  • Nutzung von Gas für die Warmwassererwärmung?
  • Eigenes Heizverhalten und ggf. Duschverhalten im Winter

Eine vereinfachte Übersicht:

Haushaltsgröße
Wohnung 30 m²
Wohnung 50 m²
Wohnung 100 m²
Reihenhaus
Einfamilienhaus
Gasverbrauch in kWh/Jahr
4.000
7.000
14.000
20.000
30.000

Bei den gefundenen Angeboten solltest du auf ein paar Kriterien achten:

  • Vertragslaufzeit: Die Vertragslaufzeit sollte sich auf höchstens ein Jahr belaufen. Bei länger laufenden Angeboten besteht die Möglichkeit im schnelllebigen Anbietermarkt, dass sich nach Ablauf des Jahres die Gaspreise stark gesenkt haben und du von dieser Senkung nicht profitieren kannst. Eine initiale Vertragslaufzeit von bis zu 24 Monaten ist gesetzlich erlaubt.
  • Vertragsverlängerung: Nach Ablauf der Vertragslaufzeit sollte ein monatlicher Wechsel möglich sein. Achte also darauf, dass sich der Vertrag nur automatisch jeweils um einen Monat verlängert. Gesetzlich erlaubt ist eine Verlängerung der Vertragslaufzeit um maximal jeweils 12 Monate.
  • Preisgarantie: Mit einer Preisgarantie für mindestens ein Jahr bist du auf der sicheren Seite, falls es während der Vertragslaufzeit zu einer Erhöhung der Gaspreise kommt.
  • Kündigungsfrist: Achte darauf, dass du eine kurze Kündigungsfrist hast. Gesetzlich erlaubt ist eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Das heißt, du musst 3 Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit kündigen. Eine kürzere Kündigungsfrist von maximal sechs Wochen erlaubt dir wesentlich mehr Flexibilität.
  • Versteckte Preiserhöhungen: Achte darauf, dass sich die Tarife nach Ablauf der initialen Vertragslaufzeit nicht bzw. nur in einem vertretbaren Maße erhöhen. Oft locken die Anbieter mit einer Wechselprämie oder niedrigen Tarifen und ziehen diese nach Ablauf der Vertragslaufzeit stark an. Am Ende bezahlst du dann in den Folgejahren wesentlich mehr und der Wechsel ist dann nicht mehr so lukrativ, wie es zu Beginn erschien.

Wie läuft der Wechsel ab?

Nachdem du einen für dich passenden Versorger ermittelt hast, kannst du entweder direkt bei dem Energieversorger eine Anfrage stellen oder du erledigst das über eines der Vergleichsportale, die du für den Anbietervergleich genutzt hast.

Halte für den Wechsel neben deinen persönlichen Daten folgende Informationen bereit:

  • Bisheriger Anbieter: den Namen deines aktuellen Anbieters findest du auf der letzten Rechnung.
  • Kundennummer: deine Kundennummer (Vertragskontonummer) beim derzeitigen Anbieter findest du ebenfalls auf deiner letzten Rechnung.
  • Zählernummer: Die Zählernummer findest du entweder auf deinem Zähler oder auf deiner letzten Rechnung. Bei einem Umzug kannst du die Zählernummer bei deinem neuen Vermieter erfragen.
  • Vertragsstart: Prüfe am besten im aktuellen Vertrag, wie lange er bei fristgerechter Kündigung noch läuft, damit der Wechsel problemlos über die Bühne geht.
  • Kündigungsvariante (selbst kündigen oder automatische Kündigung durch den neuen Vertragspartner): mit dem Auftrag übernimmt der neue Anbieter normalerweise die Kündigung für dich. Es gibt allerdings ein paar Ausnahmen:
    • Es bleiben aufgrund der Kündigungsfrist weniger als vier Wochen Zeit
    • Du möchtest ein Sonderkündigungsrecht aufgrund einer Preiserhöhung in Anspruch nehmen
    • Du möchtest aufgrund eines Umzugs den Stromanbieter wechseln

Dein neuer Energieversorger wird sich nun darum kümmern, dass der Wechsel reibungslos über die Bühne geht.

Sobald der neue Versorger den Vertrag bestätigt und den neuen Lieferstart mitteilt, ist alles Notwendige erledigt und du kannst dir schon mal überlegen, was du mit dem gesparten Geld anfängst.

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